Einweihung einer Gedenktafel zur Erinnerung an das KZ-Außenlager Neuengamme

Auf Anregung des Stadtbezirksrates Viewegsgarten-Bebelhof wurde an der Salzdahlumer Straße / Ecke Schefflerstraße eine Gedenktafel zur Erinnerung an das KZ-Außenlager Neuengamme aufgestellt und am 22. Juni durch die Bezirksbürgermeisterin Ilona Kaula (SPD) enthüllt. Die SPD war durch Ratsfrau Tanja Teichert, Ratsherr Frank Flake und dem stellvertretenden SPD-Vorsitzenden Braunschweigs und Landtagskandidaten Christos Pantazis vertreten.

Ilona Kaula, Christos Pantazis und Jens-Wolfhard Schicke-Uffmann (v.l.)
Christos Pantazis und Bezirksbürgermeisterin Ilona Kaula im Gespräch mit Stadtteilheimatpfleger Karl-Heinz Löffelsend (v.l.).

Die Gedenktafel steht am Gehweg im öffentlichen Raum vor dem Gelände der ehemaligen Außenstelle des Konzentrationslagers Neuengamme "SS-Reitschule".

"Orte verschwinden nicht. Sie ändern bloß ihr Gesicht. Hier, an diesem Ort, mitten im heutigen Wohngebiet, befand sich seit November 1944 ein Außenlager des KZ Neuengamme. Als Unterbringung dienten die Reithalle und die Stallungen der 1941 hier erbauten Reitschule der SS-Junkerschule. Nach der Zerstörung des Braunschweiger Schlosses und der darin befindlichen SS-Junkerschule Mitte 1944 durch Bomben verlor auch die Reitschule ihre Funktion, sie stand größtenteils leer. Weitere Bombenangriffe zerstörten die Stadt fast vollständig. Wegen des Mangels an Arbeitskräften für die Enttrümmerung suchten die Braunschweiger NS-Behörden gezielt nach KZ-Häftlingen, die diese Arbeiten übernehmen sollten. Aus dem KZ Bergen-Belsen wurden weibliche Häftlinge jüdischen Glaubens, neuere Forschungen gehen von einer Zahl von etwa 800 aus, zur Zwangsarbeit in die SS-Reitschule nach Braunschweig transportiert. Die meisten Frauen und jungen Mädchen stammten aus Ungarn, Jugoslawien, Rumänien sowie der Tschechoslowakei und hatten schon eine Odyssee durch Ghettos und diverse Konzentrationslager hinter sich. Auch Angehörige der Glaubensgemeinschaft Zeugen Jehovas werden in Berichten erwähnt. Die Lebensbedingungen in der Reitschule waren katastrophal, zumal Winter war. Die Frauen schliefen auf dünnem Stroh direkt auf dem Betonboden und mussten sich zu dritt eine Decke teilen. Sanitäre Anlagen gab es nicht. Hinzu kamen die schwere Enttrümmerungsarbeit und das Schneeräumen, die Hände und Füße zum Schutz vor der Kälte notdürftig mit Papier umwickelt. Insgesamt war die Behandlung der Häftlinge unmenschlich, Schläge waren an der Tagesordnung, der Hunger allgegenwärtig. Von der tatsächlichen, bis heute unbekannten Zahl der Frauen, die an den Folgen der unsäglichen Bedingungen starben, verzeichnete das Braunschweiger Standesamt bis zur Schließung des Lagers Ende Februar 1945 lediglich 17 Todesfälle."